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Sonntag, 27. März 2011

Volker W. Degener
Der Blumenmann

Tatort: Mülheim an der Ruhr

»Nicht wahr, jetzt ist alles in bester Ordnung«, sagt die Stationsschwester und verabschiedet sich. »Alles Gute! Für Sie und die Kleine.«
»Na ja – trotzdem vielen Dank!«
Andy Bestwig schnappt sich die Reisetasche und den Babykorb. Laura ergreift sein Handgelenk. Sie will ihm den Korb mit dem Baby abnehmen. »Das ist zu viel für dich«, sagt sie. »Zu schwer.«
»Nein, nein. So gewöhne ich mich schneller an die doppelte Verantwortung«, verkündet er schmunzelnd. »Verantwortung für dich und unser wunderbares Kind.«
Ein Lächeln huscht über Lauras Gesicht.
Sie gehen zum Aufzug.
»Zum Glück hab ich vor der Klinik einen Parkplatz erwischt«, sagt Andy.
Als er den Rufknopf gedrückt hat und sich wartend umschaut, stößt er Laura mit dem Ellenbogen an.
»Du, warte mal!«
»Was ist denn?« Die Fahrstuhltür gleitet auf.
»Moment mal. Da ist der Kerl wieder. Der mit dem Blumenstrauß.«
»Ich verstehe nicht«, sagt Laura. Die Aufzugtüren schließen sich lautlos.
»Der in deinem Zimmer war, der uns beklaut hat.«
»Bist du sicher?«
»Hundert Prozent. Du hast ihn ja ganz genau beschrieben.«
Während Andy den Mann mit den Blumen nicht aus den Augen lässt, setzt er zuerst die Reisetasche und dann ganz vorsichtig den Babykorb ab. Zum Glück schläft das Baby immer noch.
»Bin gleich zurück!«

Und damit eilt Andy dem Unbekannten nach, der gerade im Treppenhaus verschwindet. Am Treppenabsatz kann er den Mann gerade noch als flüchtigen Schatten ausmachen. Der Fremde ist schon eine Etage tiefer.
»Hallo! Moment mal!«, ruft ihm Andy nach.
Der Kerl fühlt sich nicht angesprochen, wirft nur einen kurzen Blick über die Schulter, erhöht aber zugleich seine Geschwindigkeit. Andy hastet hinterher, und er spürt, wie seine Wut mit jeder Treppenstufe zunimmt. Eine bisher unbekannte Wut.
»Hallo, Sie!«
Der Kerl hat unten eine der dunkelblauen Türen am Fuß der Treppe geöffnet, schlüpft hindurch und zieht sie hinter sich zu. Als Andy die Tür aufdrückt, steht er im Keller der Klinik.  Versorgungsrohre. Ausrangierte Betten und Nachttische. Plastiksäcke.
»Verdammt!«
Schummrige Beleuchtung. Eine Neonlampe blinkt aufgeregt mit einem flackernden Surren. Andy hält den Atem an, lauscht. Keine Schritte, nichts.
Doch! Atmen. Unterdrücktes Atmen, Keuchen.
Mit einem trockenen Klick geht das Licht aus. 
weiter in: Schicht im Schacht
weitere Ruhrgebietskrimis
Nina George: On The Road to Hell oder: Als Herr Simancjec einmal tot war
Herbert Knorr: Ohne Senf geht gar nix
Christiane Dieckerhoff: Bis dass der Tod euch scheidet

  
Der Autor:
Volker W. Degener, geboren 1941 in Berlin, wuchs im Ruhrgebiet auf, war Polizist in Bochum, Polizeipressesprecher und zuletzt Kommissariatsleiter in Herne. Er schrieb zahlreiche Romane und Erzählungen, darunter viele Kinder- und Jugendbücher. Sein Jugendroman »Geht's uns was an«, der auch verfilmt wurde, gehört zu den Klassikern zum Thema Kindesmisshandlung. Zuletzt erschienen von ihm der Jugendroman »Scheiße, der will Amok laufen« (2010).

Sonntag, 13. März 2011

Tatort Hattingen
Eine Axt zu Weihnachten!

Revierkrimi-Sammlung bringt amüsanten Hattingen-Krimi

»Eine Axt gehört in jedes Haus«, sinniert der Held in der Kriminalstory »Ohne Senf geht gar nix« von Herbert Knorr. Denn eine Axt kann man immer gebrauchen: »Zum Beispiel zu Weihnachten, also heute. Und zu anderen Gelegenheiten.«
Es ist eine Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art, die Herbert Knorr zur aktuellen Revierkrimi-Sammlung »Schicht im Schacht« beigesteuert hat. Im weihnachtlichen Hattingen steigert sich die Suche nach der Axt zum mörderischen Ehedrama um verletzte Gefühle und zerstörte Träume. Denn die Ehefrau will nichts wissen von Weihnachten aus Las Palmas: »Sie will nicht weg aus Hattingen, sie feiert Weihnachten zuhause, Karneval in Holthausen und wieder Weihnachten daheim. Jedes Jahr. Immer wieder.«
Und so nimmt das Weihnachstdrama zwischen Schiller- und Eichendorffstraße seinen Lauf. Das alles erzählt Herbert Knorr mit trockenem Revier-Humor und viel Liebe zum Hattinger Lokalkolorit.

Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung »Schicht im Schacht« vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis. Anfangen von Krimi-Meistern wie Ralf Kramp, Anne Chaplet und Jörg Juretzka bis hin zu Arnd Federspiel und Sonja Ullrich, den aktuellen Geheimtipps des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die nicht nur in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.

Angeheuert wurden sie für die »Schicht im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn nichts mehr geht, dann ist 'Schicht im Schacht'«, erklärt Krimi-Fachmann H.P. Karr, der schon im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Revierkrimi-Sammlung veröffentlichte. »In den neuen Kurzkrimis gibt es noch mehr Spannung und noch mehr Lokalkolorit und Anspielungen auf Reviertypisches.« Wie etwa das Hattinger Aphoristiker-Treffen oder die Goldbach-Afffäre in den Achtzigern. "Das sind alles Krimis, die nur hier im Revier spielen können!", fasst Karr zusammen.
Unter dem Motto »Maloche, Macker und Moneten« bietet "Schicht im Schacht" Mordgeschichten von hart bis zart, und natürlich auch mit  dem revier-typischen Humor, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.