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Donnerstag, 17. März 2011

Christiane Dieckerhoff
Bis dass der Tod euch scheidet

Tatort: Datteln

Ein Sonnenstrahl schien durch den Schlitz in der Jalousie und traf Rondas Lider. Sie wälzte sich auf die andere Seite. In der Nachbarwohnung dudelte ein Radio und Wasser rauschte durch die Rohre. Türenschlagen. In dem verzweifelten Versuch noch einmal einzuschlafen, kniff Ronda die Lider zusammen. Vergeblich. Es gab kein Zurück in ihren Traum.
Da war endlich einmal ein Vater&Sohn-Wochenende, sie konnte ausschlafen, und dann weckte sie die Sonne. Ronda schnaubte, während sie barfuss in die Küche taperte, um das Kaffeewasser aufzusetzen.
Marvin war seit gestern Abend bei seinem Erzeuger. Wenigstens profitierte der Junge von der Trennung. Solange sie verheiratet gewesen waren, hatte Achim nie Zeit für den Jungen gehabt. Irgendein Verbrechen, prompt vibrierte sein Handy und weg war er. Achim, der Unentbehrliche. Achim, der Kriminalhauptkommissar.
Noch seid ihr verheiratet!, zischelte eine Stimme hinter Rondas Schläfe, in exakt dem vorwurfsvollen Tonfall, den ihre zukünftige Exschwiegermutter immer anschlug, wenn sie an Ronda herummäkelte.
Die Betonung liegt auf »noch«!, antwortete ihr Bauch, in exakt der Stimmlage, die Rondas Mutter stets anschlug, wenn sie über ihren zukünftigen Exschwiegersohn herzog.
Eben!, mischte sich Ronda in die Unterhaltung in ihrem Inneren ein. Deshalb wird er sich heute um seinen Sohn kümmern müssen und ich geh shoppen. Basta!
Beim Frühstück, das aus einer Tasse Kaffee und einer verbotenen Zigarette bestand, leistete ihr nur das Radio Gesellschaft. Kein Marvin verschüttete seinen Kakao auf dem Küchentisch oder schmierte Nutella auf das Frühstücksbrettchen, anstatt auf sein Brot. Ronda fühlte sich gleich zehn Jahre jünger und sofort ein kleines bisschen dekadent. Genau die richtige Stimmung, um sich in Recklinghausen diese niedliche Lanvin-Clutch zu kaufen, die eigentlich außerhalb ihrer finanziellen Getrennt-aber–noch-nicht-geschieden-Möglichkeiten lag. Aber wer, wenn nicht sie, sollte ihr so etwas zum Geburtstag schenken.
Ein durchdringendes Fiepen unterbrach die Morningshow und der Polizeifunk plärrte durch die Küche – das umgebaute Radio war nur eins der vielen überflüssigen Dinge, die Achim bei Frau und Kind zurückgelassen hatte.
Bankraub. Geiselnahme. Scheiße.
weiter in: Schicht im Schacht
andere Bankraub-Geschichten:
Ilke Stitz: Die Unsichtbaren
Gerd Herholz: ZEN in der Kunst das Absahnens

Die Autorin: 
Christiane Dieckerhoff, geboren 1960, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. 1997 konnte sie nach eigener Aussage ihr »Bedürfnis zu schreiben nicht mehr ignorieren« und veröffentlichte seitdem einige Kriminalstories in verschiedenen Anthologien und gemeinsam mit Heinz-Werner Jezewski »Schillers Schatten«. Zuletzt erschien von ihr der 60er-Jahre-Ruhrpottkrimi »Blütenträume«.

Mittwoch, 16. März 2011

Tatort Datteln
Showdown im Kreisverkehr

Revierkrimi-Sammlung bietet spannende Unterhaltung

»Böse Zungen behaupten, Datteln sei nicht nur der größte Kanalknotenpunkt Europas, sondern auch die Stadt mit der höchsten Ampeldichte des Kontinents«, heißt es in der Story »Bis dass der Tod euch scheidet« von Christiane Dieckerhoff. Und ihre Heldin Ronda ist froh, als sie endlich die Lukaskreuzung hinter sich hat. »Sie bog in die Dortmunder Straße ab. Kurz vor Erkenschwick blies ihr das Warmluftgebläse den Dunst der Wurstfabrik ins Gesicht. Manche Menschen mochten den rauchigen Geruch. Ronda gehörte nicht dazu. Sie drückte aufs Gaspedal.« Während ihr Nachwuchs Marvin im Kindersitz mit seiner »Pi-to-le« spielt, meldet Radio Vest, dass ein Bankräuber gerade in Rondas Richtung geflüchtet ist. Am Kreisverkehr an der Dortmunder Straße kommt es schließlich zum Showdown - Marvins »Pi-to-le« gegen die Waffe des Gangsters. Erschienen ist die spannende Story der Dattelner Krimi-Autorin in dem neuen Krimisammelband »Schicht im Schacht«.
Die neue Ruhrgebietskrimi-Sammlung wurde von H.P. Karr herausgeben und vereinigt zwei Dutzend spannende, unterhaltsame und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis. Anfangen von Krimi-Meistern wie Ralf Kramp, Anne Chaplet und Jörg Juretzka bis hin zu Arnd Federspiel und Sonja Ullrich, den aktuellen Geheimtipps des Revierkrimis geben sich hier alle Autoren und Autorinnen ein Stelldichein, die nicht nur in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.

Angeheuert wurden sie für die »Schicht im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn nichts mehr geht, dann ist 'Schicht im Schacht'«, erklärt Krimi-Fachmann H.P. Karr, der schon im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Revierkrimi-Sammlung veröffentlichte. »In den neuen Kurzkrimis gibt es noch mehr Spannung und noch mehr Lokalkolorit und Anspielungen auf reviertypische Gegebenheiten.« Wie etwa der Wehrturm am Abtskücher Teich oder die Goldbach-Afffäre in den Achtzigern. "Es sind allesamt Krimis, die nur hier im Revier spielen können!", fasst Karr zusammen.
Unter dem Motto »Maloche, Macker und Moneten« bietet "Schicht im Schacht" Mordgeschichten von hart bis zart, und natürlich auch mit  dem revier-typischen Humor, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.