Tatort: Schwelm
Lothar Kasubbke stand mir gegenüber und senkte den Blick.
»Das ist nicht dein Ernst?«, musste ich nachfragen.
Lothar seufzte und knetete hilflos seine neun Finger. Den kleinen Finger seiner linken Hand hatte er gar nicht weit von hier unter einer Papierrolle in der berühmten Tapetenfabrik liegen gelassen.
Überstreichbare Wandbeläge, kennen Sie bestimmt!
Vor gut fünf Jahren war das, damals, als wir beide noch dort gearbeitet haben, bevor wir mit knapp über sechzig in die Rente gegangen sind.
»Der Arzt sagt, meine Lunge ist hin. Die wird auch nicht mehr. Ich brauch dringend bessere Luft. Mit weniger Staub drin. Nordsee wäre gut. Waltraud und ich haben auf Norderney eine urige Fischerkate entdeckt. Nicht zu groß, nicht zu klein, genau das richtige. Nicht billig, das Ganze. Deshalb müssen wir hier alles verkaufen.«
»Alles«, wiederholte ich mit trockener Stimme.
Das war richtig übel. Alles schloss Kasubbkes alte Anglerhütte mit ein, in der ich schon seit über zehn Jahren wohnte. Das Häuschen war nichts Dolles, die Schwelme, die unserer Stadt im 10. Jahrhundert mal den Namen gegeben hat, gluckert nur einen Steinwurf weit durchs Grüne und ich habe hier mit dem schmucken Gärtchen und dem Goldfischteich meine Ruhe. Gerade jetzt, mitten im Frühling war das einfach herrlich. Außerdem …
Ich strich mir durchs schüttere Haar. »Lothar, ich kann hier nicht weg. Die Gerda …«
Lothar Kasubbke schnaubte. »Erich, das ist jetzt drei Jahre her, dass dir die Gerda abgehauen ist.«
Ich schüttelte ärgerlich den Kopf. Abgehauen … Drei Jahre. Aber ich konnte es ihm nicht erklären.
»Wir haben einen Käufer gefunden«, fuhr er fort. »Der will nächste Woche zum Notartermin kommen und das Geld mitbringen. Aber du hast natürlich Vorkaufsrecht, is klar.«
»Wie viel?«, fragte ich, einfach nur, um es zu wissen.
»45000 Euro kriegen wir für die Hütte samt Garten.«
Ich lachte bitter. »Oh Mann - 45000! Du weißt, was ich an Rente kriege! Wo soll das Geld denn her kommen? Vom Himmel wird es nicht fallen, Lothar.«
weiter in: Schicht im Schacht
andere Geschichten von harten Kerlen:
Renè Zey: Pommes blut-weiß
Uwe Voehl: Frühstück bei Marilyn
Der Autor:
Klaus Stickelbroeck, geboren 1963 in Anrath, lebt in Kerken am Niederrhein und arbeitet als Polizeibeamter in Düsseldorf. Seinen ersten Kurzkrimi veröffentlichte er im Jahr 2000. Es folgte 2007 sein erster Roman »Fieses Foul«. Zuletzt erschien »Fischfutter« (2010). Gemeinsam mit den Düsseldorfer »Krimi-Cops« schrieb er außerdem die Krimis »Stückwerk« (2007) und »Teufelshaken« (2009).
Posts mit dem Label überfall werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label überfall werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 20. April 2011
Tatort Schwelm
Raub ist nichts für raue Kerle
Revierkrimi-Sammlung bringt neuen Schwelm-Krimi
»Das Häuschen war nichts Dolles«, heißt es in der Kriminalstory »Rabauken, Räuber, Raue Fasern« von Klaus Stickelbroeck. »Die Schwelme, die unserer Stadt mal den Namen gegeben hat, gluckert nur einen Steinwurf weit durchs Grüne und ich habe hier mit dem schmucken Gärtchen und dem Goldfischteich meine Ruhe.« Doch dann soll das Häuschen verkauft werden und Pensionär Erich müsste ausziehen. Es sei denn, er kann selbst den Preis von 45000 Euro aufbringen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Erich ist ratlos - seine Kumpel aus der Tapetenfabrik auch. Doch da fällt ihm im wahrsten Sinn des Wortes ein Vermögen in die Hände. Dumm nur, dass es die Beute eines Raubüberfalles ist.
»Schicht im Schacht« heißt die neue Anthologie mit Revierkrimis, für die Herausgeber H.P. Karr den Düsseldorfer Polizisten und Krimi-Autor Klaus Stickelbroeck verpflichten konnte. Mit viel Sinn für Komik und schräge Sprüche kommt in der Story über die rauen Kerle aus der Tapetenfabrik eines zum anderen - und schließlich alles zum glücklichen, wenngleich auch unerwarteten Ende.
Die Anthologie vereinigt zwei Dutzend spannende und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis. Anfangen von Krimi-Meistern wie Ralf Kramp, Anne Chaplet und Jörg Juretzka bis hin zu Arnd Federspiel und Sonja Ullrich, den aktuellen Geheimtipps des Revierkrimis geben sich hier alle ein Stelldichein, die nicht nur in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.
Angeheuert wurden sie für die »Schicht im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn nichts mehr geht, dann ist 'Schicht im Schacht'«, erklärt Krimi-Fachmann H.P. Karr, der schon im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Revierkrimi-Sammlung veröffentlichte. »In den neuen Kurzkrimis gibt es noch mehr Spannung und noch mehr Lokalkolorit und Anspielungen auf Reviertypisches.« Wie etwa der Angelplatz an der Schwelme oder die Goldbach-Affäre in den Achtzigern. "Das sind alles Krimis, die nur hier im Revier spielen können!", fasst Karr zusammen.
Unter dem Motto »Maloche, Macker und Moneten« bietet »Schicht im Schacht« Mordgeschichten von hart bis zart, und natürlich auch mit dem revier-typischen Humor, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.
»Das Häuschen war nichts Dolles«, heißt es in der Kriminalstory »Rabauken, Räuber, Raue Fasern« von Klaus Stickelbroeck. »Die Schwelme, die unserer Stadt mal den Namen gegeben hat, gluckert nur einen Steinwurf weit durchs Grüne und ich habe hier mit dem schmucken Gärtchen und dem Goldfischteich meine Ruhe.« Doch dann soll das Häuschen verkauft werden und Pensionär Erich müsste ausziehen. Es sei denn, er kann selbst den Preis von 45000 Euro aufbringen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Erich ist ratlos - seine Kumpel aus der Tapetenfabrik auch. Doch da fällt ihm im wahrsten Sinn des Wortes ein Vermögen in die Hände. Dumm nur, dass es die Beute eines Raubüberfalles ist.
»Schicht im Schacht« heißt die neue Anthologie mit Revierkrimis, für die Herausgeber H.P. Karr den Düsseldorfer Polizisten und Krimi-Autor Klaus Stickelbroeck verpflichten konnte. Mit viel Sinn für Komik und schräge Sprüche kommt in der Story über die rauen Kerle aus der Tapetenfabrik eines zum anderen - und schließlich alles zum glücklichen, wenngleich auch unerwarteten Ende.
Die Anthologie vereinigt zwei Dutzend spannende und gelegentlich auch skurril-komische Kriminalgeschichten von ausgewiesenen Profis. Anfangen von Krimi-Meistern wie Ralf Kramp, Anne Chaplet und Jörg Juretzka bis hin zu Arnd Federspiel und Sonja Ullrich, den aktuellen Geheimtipps des Revierkrimis geben sich hier alle ein Stelldichein, die nicht nur in der Revierkrimi-Szene etwas zu sagen haben.
Angeheuert wurden sie für die »Schicht im Schacht« von Herausgeber H.P. Karr. »Wenn nichts mehr geht, dann ist 'Schicht im Schacht'«, erklärt Krimi-Fachmann H.P. Karr, der schon im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Revierkrimi-Sammlung veröffentlichte. »In den neuen Kurzkrimis gibt es noch mehr Spannung und noch mehr Lokalkolorit und Anspielungen auf Reviertypisches.« Wie etwa der Angelplatz an der Schwelme oder die Goldbach-Affäre in den Achtzigern. "Das sind alles Krimis, die nur hier im Revier spielen können!", fasst Karr zusammen.
Unter dem Motto »Maloche, Macker und Moneten« bietet »Schicht im Schacht« Mordgeschichten von hart bis zart, und natürlich auch mit dem revier-typischen Humor, der den Ruhrgebietskrimi so populär gemacht hat.
Abonnieren
Posts (Atom)